Unterschriftenaktion – Legastheniker und Analphabeten beschweren sich

SA-TIERE. Die einen wissen nicht worum es geht, die anderen würden zwar gerne, können aber nicht unterschreiben – Analphabeten und Legastheniker wollen ein Bürgerbegehren gegen Unterschriftenaktionen einreichen. Dabei führt der deutsche Staat einen bemerkenswerten und auch erfolgreichen Kampf gegen Analphabetismus im eigenen Land.

Nur Ortskundige gaben Auskunft

Bei einer Pressekonferenz in Lübeck stellte man der versammelten Presse das Vorhaben vor. Zwar kamen nicht alle Personen an, da sie weder die Wegbeschreibung noch eine Karte lesen konnten, oder in das Navi den Zielort eingeben konnten, aber dennoch wurde ihr Anliegen von Ortskundigen vorgetragen.

„Wir sind nicht boshaft, wir können nur nicht lesen“

„Reichen sie schriftlich Beschwerde ein. Schicken sie mir eine E-Mail, damit ich das ganz schriftlich habe. Warum schreibst du mir keinen Kommentar bei Facebook, magst du mich nicht mehr? Mit solchen Dingen müssen wir uns jeden Tag herumschlagen“, sagte der Sprecher der Analphabeten Deutschlands. Und bei all jenen Dingen, die der den Nichtlesenden und –schreibenden sonst noch unmöglich seien, zähle die Nicht-Beteiligung an direkter Demokratie zu den schlimmsten. „Wenn uns jemand auf der Straße fragt, ob wir für dieses oder jenes unterschreiben wollen, müssen wir immer nein sagen. Dabei ernten wir immer boshafte Blicke, weil wir uns nicht für das Gute engagieren wollen“, fährt der Sprecher fort.

Deutschlands Kampf gegen Analphabetismus erringt Siege

Die Reaktion der deutschen Regierung kam prompt. Regierungssprecher Steffen Seibert gab der dpa ein Interview. „Wir bekämpfen die Analphabetisierungsquote seit Jahren. Unsere wichtigste und erfolgreichste Maßnahme ist es, es ausländischen Analphabeten zu verwehren, sich in das Land der Dichter und Denker einzubürgern.“ Man stützte sich dabei auf ein Urteil des Verwaltungsgerichtshofes Baden-Württemberg in Mannheim aus dem Februar 2009, das besage, dass ausländische Analphabeten in Deutschland keinen Anspruch darauf hätten, eingebürgert zu werden. „Mit diesem Verwaltungsinstrument ist es uns gelungen, die Quote der Analphabeten stabil zu halten“, so Seibert.

„Die gehen ohnehin nicht wählen“

Auf die Frage, warum man so wenig gegen das Analphabetentum tun würde, sagte Seibert einem Journalisten unter vier Augen, dass die ja ohnehin nicht wählen gehen würden, denn sie könnten den Stimmzettel ja gar nicht lesen oder den Wahltermin aus einer Zeitung erfahren.

Foto: CC0 Public Domain

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