Durchgesickert: Renommierter Satirepreis an Kronen Zeitung

SA-TIERE. Offiziell laufen die Wahlen zu Österreichs Journalisten des Jahres noch, die Preisverleihung findet erst Anfang 2016 in Wien statt, aber nun wurde bekannt, dass sich die Jury bereits jetzt auf einen Preisträger für besondere Leistungen in der Satire geeinigt hat.

Eva Glawischnig: „Hetzkampangen als offensichtliche Satire“

Satirische Hetzkampangen wie diese, in der so herrlich süffisant nicht nur ein jeder angesprochen wird, sondern in der „der eine Fehler der Polizei“ als zu verstehen benannt wird, und der ebenso eine Fehler des Nordafrikaners nicht nur unverständlich ist, sondern sogleich mit einer drakonischen Strafe abgegolten werden soll, bilden die Grundlage einer Humorkultur, die in Europa nur von der britischen Komikertruppe Monty Python erreicht wurde. „Herrlich, ich liebe dieses europäische Satire-Kleinod“, lobt Grünenchefin Eva Glawischnig auf Nachfrage.

An diesen Schlagzeilen hätte man es erahnen können

„Für Flüchtlinge Frau gekündigt“, „Warum die Kriminalität expoldiert!“ „Jetzt reicht´s: Griechen raus“, „Häupl regiert mit einer Griechin!“ – solche und ähnlich pointierte und vor Ironie strotzende Schlagzeilen bescherte die Kronen Zeitung ihren Lesern über die vielen Jahre in einer quantitativen Dichte, dass diese die Herzen der heimischen Lachgesellschaft höher schlagen ließ.

"Unvergleichlich! Was für eine gelungene Satire", freut sich Eva Glavischnig.
“Unvergleichlich! Was für eine gelungene Satire”, freut sich Eva Glavischnig.

Kronen Zeitung wird Bombe platzen lassen

Krone-Gründer Hans Dichand und Kurt Falk, die beiden Architekten der Neuen Kronen Zeitung seit 1959, seien, so lässt ein internes Krone-Papier durchblicken, von Anfang an darauf ausgewesen, die größte Satire seit Menschengedenken zu erschaffen. Bald sollen in der Kronen Zeitung Auszüge aus den Tagebüchern von Dichand veröffentlicht werden, in denen er explizit über seine Satirepläne schreibt. „Wir wollen alle Missstände im Land aufzeigen, und zwar so überspitzt, dass vieles, was wir berichten werden, geradezu lächerlich und/oder boulevardesk erscheinen muss. Wir werden beispielsweise so plump gegen Ausländer und andere Minderheiten schreiben, dass es den Lesern irgendwann auffallen wird, dass dies alles nicht ernst gemeint sein kann und so die Satire aufgedeckt werden wir“, schrieb Hans Dichand am 10. April 1959, also einen Tag vor erscheinen der ersten Ausgabe, in sein Tagebuch.

Größer als alles bis heute Dagewesene

Heuer feiert die Kronen Zeitung ihr 55jähriges Jubiläum. „Wir dachten bis vor kurzem noch, unsere Kritik am Kronestil und an dem Kampagnenjournalismus wäre wichtig“, so ein Mitglied der Fachjury, „aber wir hätten uns nie träumen lassen, dass dies alles nach einem großen Plan funktioniert hat, zumindest nicht nach einem Satireplan“. Österreichs somit größter Satiriker verstarb leider im Juni 2010, noch ehe sein genialer Masterplan enthüllt werden konnte und er sich deswegen feiern hätte lassen können Foto: CC0 Public Domain/wikipedia.org

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