FIFA ändert Vergaberichtlinien für WM

Sepp Blatter, Chef des Fußballweltverbandes Fifa, gab in einem Interview bekannt, dass er aus den Vergaben der Fußball-WM an Brasilien, Russland und Katar gelernt habe. Die mediale Berichterstattung über unzureichende Sicherheitsmaßnahmen, über die Lebens- und Todesumstände der Bauarbeiter der Stadien, über Korruption von Fifa-Funktionären und nicht zuletzt über seine Person hätten ihn zum Nachdenken gebracht. Das Ergebnis ist ein neuer, sehr einfacher Schlüssel zur Vergabe kommender Weltmeisterschaftsstandorte.

Berichterstattung: Je weniger, je besser

Das Gedankenexperiment, zu dem Blatter während der Spiele in Brasilien dank gewollter Abwesenheit auf den TV-Schirmen die Zeit fand, und welches nun in die Regeln der Fifa übernommen werden wird, „geht von der Prämisse aus, dass, je weniger über die Verfehlungen von Funktionären berichtet wird, desto reibungsloser verläuft ein WM-Turnier“, so Blatter. Er habe die Berichterstattung rund um alle vergangenen WM-Turniere von der renommierten Henri-Nannen-Journalistenschule analysieren lassen.

Gleichung: Transparenter Weg zu Fifa-Entscheidungen

„Die Experten der Henri-Nannen-Journalistenschule kamen zu einer überraschend einfach Lösung. Es ist eine Gleichung, mit der man anhand einfacher quantitativer Daten ein Rangliste derjenigen Länder erstellen kann, in welchen ohne viel nachfragen oder berichten ein WM-Turnier abgehalten werden kann“, freut sich Sepp Blatter. Die Berechnung erfolgt sehr einfach und soll auch die neue Transparenz der Fifa zeigen. Als erstes nimmt man die Anzahl an ungeklärten Morden an Journalisten zwischen den Jahren 1992 und 2014, multipliziert diese mit dem Grad an staatlicher Medienzensur und dividiert das Ergebnis durch die allgemeine Korruption, gemessen an der durchschnittlichen Mindesthöhe des Schmiergeldes für einen mittleren Beamten, gemessen in Schweizer Franken. Diese wurde anhand der persönlichen Erfahrungswerte von Sepp Blatter festgelegt.

Beispielrechnung: Philippinen ganz großer Favorit für WM 2026

Hier nun einige Beispiele, anhand derer man gut nachvollziehen kann, wo die Fußball-WM nach jener in Katar vermutlich stattfinden wird. Klarer Favorit, auch bei den Buchmachern, sind demnach die Philippinen. Zwischen 1992 und 2014 wurden dort 66 Morde an Journalisten nicht aufgeklärt, das Land hat einen Zensurindex von 38 und das durchschnittliche Schmiergeld beträgt 20 Schweizer Franken. Somit ergibt sich für die Philippinen ein WM-Index von 125,4. Die Ausgewogenheit des Systems lässt sich sehr gut am Beispiel Iran im Vergleich mit den Philippinen darstellen. Im Iran wurden im Messzeitraum 103 Morde an Journalisten nicht aufgeklärt und das ehemalige Persien hat einen Zensurindex von 82. Beide Werte liegen nun deutlich über jenen der Philippinen – aber die von Sepp Blatter in die Gleichung aufgenommene Höhe des örtlich üblichen Schmiergeldes bringt hier den Philippinen den entscheidenden Vorteil. Der Iran liegt hier bei 200 Schweizer Franken und kommt so auf einen WM-Index von 42,23. „Das ist noch immer ein sehr guter Wert, aber wir überlegen sehr konkret, die WM 2026 auf den Philippinen zu veranstalten“, so Blatter zuversichtlich.

Negativbeispiel: Schweden hat viel nachzuholen

Ein Land mit einem sehr schlechten WM-Index ist zum Beispiel Schweden. Bei 0 nicht aufgeklärten Journalistenmorden, einem Zensurindex von 1 und einer durchschnittlichen Schmiergeldhöhe von 5.000 Euro ergibt sich ein WM-Index von sage und schreibe 0. „Hier hat Schweden definitiv noch viel Arbeit vor sich, um sich in den Kreis der WM-Ausrichtungskandidaten zu bringen“, klärt Blatter schonungslos auf.

Foto: Wikipedia.de

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