Jedermann soll es erlaubt sein, zu sterben

„Who wants to live forever“ – also, wer will denn schon ewig leben? Das definiert oftmals über seine eigene Sterblichkeit. Das Ende von etwas macht vieles Besonders. Für viele ist diese Sterblichkeit also etwas Gutes, aber es gibt auch jene, die verzweifelt am Leben hängen, auch wenn sie alt und faltig werden. Sie straffen sich, wechseln Teile aus und verändern sich durch künstliche Teile. Der Salzburger Jedermann, den Hugo von Hofmannsthal vor über 100 Jahren geschrieben hatte, darf einfach nicht sterben, obwohl es Zeit werden würde.

Historisches: Besser als James Bond

Premiere hatte der Jedermann bei den Salzburger Festspielen am 22. August 1920 in der Inszenierung von Max Reinhardt. Bis zum heutigen Tag haben 16 Männer den Jedermann bei den Salzburger Festspielen spielen dürfen – angefangen von Alexander Moissi (1920, 1921, 1926–1931), über die Weltstars Curd Jürgens, Maximilian Schell und Klaus Maria Brandauer bis heute zu Cornelius Obonya. Dagegen kommt noch nicht einmal Superagent James Bond mit seinen acht Film-Darstellern an.

Weiterentwicklung: Von Roger Moore zu Daniel Craig

Wenn eine Figur solange gemolken wurde, sollte man ihr gestatten, den Weg allen Irdischen zu gehen. Sollte man dies nicht tun, wird Jedermann allmählich trivial und wandelt sich von einer Kulturikone Salzburgs zu einem Abklatsch einer kulturellen Leistung. Und wenn man ihn schon nicht sterben lassen will, weil er der Weltkulturerbestadt die Euros in die Kassen spült, dann solltet man den Sprung von Roger Moore zu Daniel Craig wagen. Aber ob das hochkulturell wirklich helfen kann, darf bezweifelt werden. Also, und das ist nur eine Meinung, jedermann soll es erlaubt sein zu sterben.

Foto: Salzburg Museum

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One thought on “Jedermann soll es erlaubt sein, zu sterben

  1. es fehlt eine auswahlmöglichkeit – weder erneuern noch sterben lassen.

    warum auch einen klassiker sterben lassen? müssten dann auch romeo&julia sterben, vielleicht auch don juan, der junge werther, hamlet?

    ich fiebere jedes jahr dieser aufführung entgegen – und jedes jahr wieder gänse.haut.
    persönliche vorlieben dürfen nicht als wahrheit wahrgenommen werden … schon gar nicht unter einem journalistischen blickwinkel.

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